Business-Lösungen

DevOps Workshop im Einsatz

Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis

PROFI.news Redaktion: Hallo ihr zwei. Ihr habt ja jetzt schon einige Erfahrungen mit DevOps und Workshops mit und bei Kunden gemacht. Könnt ihr kurz erklären, was DevOps für euch bedeutet?

Oliver Steinhauer (OS): Für mich bedeutet es in erster Linie, Menschen unterschiedlicher Disziplinen an einen Tisch zu bringen, ein gemeinsames Verständnis zu erarbeiten und Arbeitsweisen zu entwickeln, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Schließlich wollen doch alle das Gleiche: ihren Kunden immer das beste Produkt zur Verfügung stellen.

Peter-Christian Lange (PL): Ja, und es geht auch darum, das gemeinsame Ziel statt durch mehr durch bessere Arbeit zu erreichen. Feedback-Schleifen, Automatisierung, Tests etc. sorgen nicht nur für bessere Produkte, sondern auch für bessere Arbeit. Da entsteht zum einen unglaublich viel Motivation und Zufriedenheit in den Teams; zum andern ist es auch der Weg, um die Freiräume zu schaffen, die neue Business-Projekte ermöglichen und Betriebsaufwände verringern.  

OS: Es ist ja wenig hilfreich, entweder nur ein tolles Stück Code zu haben oder nur einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Erst wenn beides zusammen funktioniert, haben die Benutzer wirkliche Mehrwerte. Denn damit wird der Business Value erzeugt. Dazu kommt, dass z. B. durch Digitalisierung oder Disruption eine andere Form von Druck aufgebaut wird. Entwicklung und Betrieb schauen sich deshalb nach anderen Architekturen und Technologien um, um dafür gute Lösungen zu bieten. Auch deswegen, um zu beweisen, dass sie nicht „zu langsam und zu teuer“ sind.


PROFI.news Redaktion: Ihr sprecht, wenn es um DevOps-Workshops geht, von einem TOGAF-orientierten Vorgehensmodell. Wie seid ihr dazu gekommen?

PL: Unternehmen, die im Rahmen eines geeigneten Projekts DevOps als neues Modell der Zusammenarbeit angehen, haben drei Handlungsfelder zu bearbeiten: Kultur, Organisation und Technologie. Im Bereich der Technologie ist es unabdingbar, die Architektur zu betrachten – da bietet sich ein offener und weltweit akzeptierter Standard wie TOGAF als Framework ja förmlich an.

OS: Genau. Wir treffen auf viele Unternehmen, die sich durch eigenentwickelte Software vom Markt differenzieren können. Hierbei spielen skalierbare Architekturen, z. B. Microservices, vermehrt eine Rolle.

Dies betrifft übrigens auch unterstützende Systeme, wie z. B. eine Continuous Integration. Insofern wollten wir uns an etwas orientieren, das den kompletten Lifecycle einer Architektur unterstützt, und auch in allen Phasen Ergebnisse erarbeiten.

PL: TOGAF orientiert sich stark an den Mehrwerten für das Unternehmen und den Anforderungen, die sich daraus ableiten. Damit eignet es sich auch hervorragend dazu, alle Beteiligten gemeinsam auf das globale Ziel zu fokussieren – ein ganz wichtiger Punkt, um im DevOps-Umfeld erfolgreich zu sein. TOGAF adressiert alle Stakeholder, vom Business Owner über Software-Entwickler bis zum Betrieb der Infrastruktur. Das schafft eine Grundlage für die übergreifende bzw. gemeinsame Arbeit.


PROFI.news Redaktion: Und wie geht ihr das konkret an?

PL: In einem ersten Workshop bringen wir Entwickler und Infrastruktur/Betrieb zusammen und erarbeiten, ausgehend vom globalen Ziel, eine erste Architektur. Damit schaffen wir erste Ergebnisse, die wir später weiterverwenden – wie die Architektur­übersicht. Gleichzeitig ist der Workshop oft die erste echte Begegnung zwischen den Kollegen aus den unterschiedlichen Silos, mit meist großem Aha-Effekt und echtem Verständnis für die bis dahin „anderen“.
 

PROFI.news Redaktion: Was sind die größten Herausforderungen beim Einsatz von TOGAF?

PL: Das TOGAF-Framework deckt tatsächlich alle möglichen Situationen ab. Deshalb ist es extrem wichtig, dass der Berater es so „zurechtschneidert“, dass es für die Anforderungen und die Organisation passt.


PROFI.news Redaktion: Warum ist es wichtig, dass ihr selber als Team arbeitet?

OS: Für mich eine logische Konsequenz: Ich helfe mit meiner Erfahrung als Software-Architekt und -Entwickler. Je näher wir an Betriebsthemen rücken, umso wichtiger ist Peters Erfahrung. So können wir mit allen Beteiligten auf Augenhöhe sprechen.

PL: Es ist ja ein bekanntes Phänomen, dass innerhalb der IT, je nach Abteilung oder Standpunkt, durchaus sehr unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Im Team können wir besonders gut für gegenseitiges Verständnis sorgen.


PROFI.news Redaktion: Was sind denn die konkreten Ergebnisse und Mehrwerte eurer Workshops?

PL: Die ersten Ergebnisse entstehen zumeist in den Handlungsfeldern Technologie und Kultur. Die offensichtlichsten Ergebnisse sind Artefakte, die in jeder Phase des TOGAF-Circle erarbeitet werden und die dann für die nächsten Phasen, aber idealerweise auch in anderen Projekten, genutzt werden. In Unternehmen, bei denen technologische Konzepte wie Staging, Infrastructure as Code, Configuration Management, Automatisierung, Testautomatisierung etc. noch nicht weit fortgeschritten sind, entwickeln wir eine Architekturübersicht.

Im Bereich der Kultur ist das Feedback der Kunden oft: „Gut, dass Sie uns zusammengebracht haben“ oder „Endlich versteh ich, was den Betrieb plagt“ bzw. „Jetzt versteh ich, warum die Entwickler das brauchen“. Damit bekommen wir das Fundament für eine echte Zusammenarbeit und Grundlage der in DevOps so wichtigen Feedback- und Fehlerkultur.

OS: Es ist ja keinesfalls so, dass jemand technologisch hinterm Mond leben würde. Aber wir verspüren bei den Kunden einen Drang, ihre (Anwendungs-)Architekturen und Technologien zu modernisieren. Da steckt kein Selbstzweck dahinter, sondern der Geschäftsnutzen, Time-to-Market-Aspekte und natürlich auch so etwas wie Pflege- und Wartbarkeit. Das Feedback aus den Workshops spiegelt uns wider, dass es immens hilft, diesen Herausforderungen eine Struktur zu geben und die Ziele zu verwirklichen.

Oliver Steinhauer,
Principal Consultant der PROFI AG

 

Peter-Christian Lange,
Principal Consultant der PROFI AG