In Zeiten der digitalen Transformation

Digitale Transformation

In Zeiten der digitalen Transformation

IT-Dienstleistungen

Warum kann ich meine IT-Dienstleistungen nicht so einfach, dynamisch und unmittelbar konsumieren wie eine App? Was kann denn so schwer sein, Produktionsprozesse, Benutzerschnittstellen, Datentransfers und komplexe Transaktionen sicher und schnell zur Verfügung zu stellen? Diese Fragen mag sich so mancher schon gestellt haben. Der folgende Artikel beschreibt die Herausforderungen, denen sich die IT gegenübersieht, und versucht Antworten zu geben.

Die Macht der mobilen Nutzer

Durch die starke Verbreitung von Smartphones scheint irgendwie jeder an der Verarbeitung von Informationen teilzunehmen – egal ob CIO oder Schulkind. Alle konsumieren und produzieren Massen von Daten – und das praktisch im Vorbeigehen. Was die App vor allem bietet, ist die Unmittelbarkeit: Man kann sofort ein Ticket buchen oder sofort einen Blick auf Informationen werfen.

Diese Unverzüglichkeit hat einen starken Mehrwert. Üblicherweise ist die Interaktion via App auch sehr einfach. Simple Abfragen decken den Großteil der Anwendungsfälle ab. Wenn es aber komplizierter wird, dann können diese Anforderungen oftmals nicht mehr durch eine App gedeckt werden. Soll zum Beispiel ein Reiseticket bestellt werden, kann dies per App erledigt werden. Was aber ist, wenn zwei Geschäftsreisende in einem Abteil zusammensitzen wollen? Der andere steigt später dazu. Ein Sonderfall? Aus Sicht der App schon! Die besonderen Fälle müssen aber auch abgedeckt werden, weil der Kunde ja König ist.

Und genau das ist ein Grund dafür, dass die IT nicht so dynamisch agieren kann, wie man es von einer App gewohnt ist: Unternehmen müssen alle möglichen Sonderfälle und Kundenwünsche abdecken können. Da werden Bestellungen und Prozesse eben nicht nur per App getätigt, sondern es kommen Daten von allen möglichen Quellen herein.

Ist es denn überhaupt möglich, alle Kundenwünsche in Unternehmensprozessen abzudecken? Antworten kann man darauf wohl nur mit dem bekannten Spruch von Radio Eriwan: „Im Prinzip ja …“. Die größte Dynamik in einem Unternehmensprozess entsteht dadurch, dass Menschen involviert sind und Dinge möglich machen können, die in keinem System abgebildet werden können. Natürlich kommt es auch darauf an, wie oft Sonderwünsche geäußert werden und wie viel Mehraufwand es für das Unternehmen bedeutet.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Schnittstellen zu Massen von Nutzern standardisiert sind. Oftmals sind Apps bunte, schöne, kleine Anwendungen für genau einen Zweck. In Massen ausgerollt können diese als zusätzlicher Vertriebskanal für Dienstleistungen und Produkte genutzt werden. Die IT kann dann diesen Kanal bedienen, muss aber für alle anderen Kanäle ebenfalls gerüstet sein. Dieses Prinzip, auf allen Hochzeiten vertreten zu sein, macht die IT-Abteilungen weniger dynamisch, als wenn es nur einen Eingangskanal „ohne Sonderlocken“ geben würde.

Smarte Maschinen

Ein weiterer Faktor der Digitalisierung ist der Umstand, dass die Maschinen immer smarter werden. Dabei ist nicht wirklich eine Intelligenz gemeint, sondern die Möglichkeit, Daten zu produzieren und praktisch in Echtzeit darauf zu reagieren. Damit werden Maschinen in die Lage versetzt, sich selbst zu adjustieren, wenn Schwellwerte in den Daten erreicht werden. Es geht aber noch weiter: Die Daten aus diesem Industrie-­4.0-System können auch gesammelt und zentral ausgewertet werden. Damit laufen in einer produktionsnahen IT alle (Produktions-)Prozesse zusammen und dies bietet viele Vorteile. Zum einen können Abhängigkeiten im Produktionsprozess überwacht werden. Zum anderen können Änderungen oder Sonderwünsche von Kunden auch noch mit einer sehr kurzen Reaktionszeit berücksichtigt werden. Soll das Auto doch noch in einer anderen Farbe lackiert werden, dann ist dies für eine verbundenes System kein Problem mehr, weil die nötigen Änderungen zentral vorgenommen werden und sich in die angeschlossenen Systeme eintakten lassen. Die magische „Losgröße 1“ ist damit keine Utopie mehr.

Transparenz über das eigene Unternehmen hinaus

Neben den Kunden und den Maschinen der eigenen Produktion muss die IT sich auch noch mit den Zulieferern und Geschäftskunden befassen. Sofern das Unternehmen nicht die komplette Produktionstiefe innehat, sorgen Partnerschaften mit anderen Unternehmen für einen Fluss von Halbfertigteilen von und zu den eigenen Fabriken. Vor der Digitalen Transformation waren diese Abhängigkeiten zu Geschäftspartnern wie eine Blackbox. Erst wenn die Teile da waren, konnte man sich sicher sein, Termine einhalten zu können. Durch transparente Lieferketten sieht das heutzutage anders aus: Auch Transportströme können nun überwacht und die Daten anderen zur Verfügung gestellt werden. Es ist den Unternehmen also möglich, Prozesse zu monitoren, für die sie gar nicht selbst verantwortlich sind. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich nutzen, schon frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um Kundenwünsche zu befriedigen.

Viele Aktoren zerren an der IT

Durch die zunehmende Digitalisierung gibt es viele Einflüsse, die IT-Leistungen beanspruchen und damit die elektronische Datenverarbeitung von Unternehmen unter Druck setzen:

  • Kunden nutzen Dienste unmittelbar zu jeder Uhrzeit und haben Sonderwünsche
  • Maschinen erzeugen Daten, erlauben Ausnahmenbehandlung und sind in einem größeren Prozesskontext zu betrachten
  • Geschäftspartner machen Abläufe transparent, auf die Unternehmen reagieren können.
Beeinflusser der IT-Abteilung

Das nächste Mal, wenn man sich über langsame Abläufe in der eigenen IT-Abteilung ärgert, muss man sich einfach die komplexen Abläufe in Erinnerung rufen, die alle beim Backend zusammen kommen. In diesem Artikel haben wir die Themen Sicherheit, Robustheit, Mehrsprachigkeit, SLA usw. mit keiner Silbe erwähnt. Diese sind aber für die ganzen Dienste sehr relevant und tangieren den mobilen Nutzer nicht oder nur im Vorbeigehen.

Sascha Marco Köhler,
Software-Architekt der PROFI AG