Mit IBM Watson in Ihre Daten schauen

Business-Lösungen

Mit IBM Watson in Ihre Daten schauen

360°-View-Anwendungen für den „Digitalen Arbeitsplatz“

Seit vielen Jahren bilden Anwendungen auf IBM i (a.k.a. „AS/400“, „iSeries“ „System i“) einen zentralen Bestandteil der Anwendungs­landschaft eines Unternehmens. Diese sind oftmals so zentral, dass über Änderungen daran nur im Umfeld grundlegender Entscheidungen nachgedacht wird. Eine Folge davon ist, dass die Verbindungen zu anderen Systemen mit wichtigem anderen Business Content in vielen Fällen nur rudimentär sind. Dies kann ein wesentlicher Hinderungsgrund beim Umsetzen der Strategie eines „Digital Workplace“ (als dem zentralen Dreh- und Angelpunkt einer Digitalisierungsstrategie) sein, denn „Digital Workplace“ bedeutet u. a., eine Fülle von Informationen und Funktionen im direkten Zugriff zu haben.

Versucht man sich den Ursachen dieser unbefriedigenden Situation zu nähern, dann kommen oftmals technische Argumente wie „inkompatible Daten-Silos“ oder „unterschiedliche Datenformate“, aber auch andere Gründe wie „keine Experimente mit der businesskritischen Anwendung“ zur Sprache.

Mit IBM Watson Explorer (WEX) bietet sich eine Möglichkeit, das Durchdringen von Datenquellen und die Präsentation der Daten in einer völlig neuen Dimension zu ermöglichen – und die Daten auf IBM i („DB2/400“) sind hierbei völlig gleichberechtigt im Konzert aller anderen Daten. Im Kern geht es darum, die Daten aus verschiedensten Datenablagen geschickt miteinander zu verknüpfen und in einem Benutzer-Frontend zusammenzubringen, um damit dem Benutzer alle benötigten Informationen des Kontextes zu geben, wenn er diese benötigt.

Hierbei geht IBM Watson Explorer einen völlig neuen Weg, basierend auf seiner Herkunft aus dem Umfeld einer mächtigen Enterprise Search und ggf. durch Einbeziehen von Watson-Technik (lexikalische Analyse, intelligente Wissensbausteine, Watson-Services aus der Cloud etc.):

  • Je eingebundener Datenquelle werden deren Inhalte (i. allg. ohne jeglichen Eingriff in die existierende Datenquelle) in einem eigenen WEX-Index aufbereitet.
  • Diese Aufbereitung erfolgt „zielgerichtet“, d. h., das Datenmodell für die Indexierung wird abgestimmt („man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen – aber man kann dafür sorgen, dass sie so kommen, wie man sie nehmen möchte“).
  • In einer 360°-View-Anwendung werden diese Indexwerte miteinander verknüpft und ermöglichen somit die geeignete Datenpräsentation.

In Verbindung mit Visualisierungen (als integralem Bestandteil) und/oder der Einbindung von Inhalten aus unstrukturierten Daten kann so der ggf. recht vielschichtige Business-Content in einer einzigen Anwendung umfassend (360°-Sicht) dargestellt werden.

Im folgenden Beispiel wird dargestellt, dass IBM-Watson-Technik für jeden Kunden heute schon wertvolle Beiträge für die Lösung seiner sehr nahe liegenden Aufgaben bieten kann. Seitens der IBM i müssen außer den Daten selbst keinerlei Ressourcen bereitgestellt werden – dies alles leistet ein dediziertes WEX-System (insbesondere auch On-Premise).

Beispiel

  1. Zu einem Webshop gibt es Daten in einer klassischen relationalen Datenbank, diese liegen z. B. in einer DB2/400 auf IBM i (DB-Daten).
  2. Zu den Produkten des Webshops gibt es Feedback von Kunden. Für unser Beispiel haben wir dieses Feedback in Textdateien im Windows-Filesystem abgelegt (Text­daten).
  3. Systemtechnisch gibt es zwischen den DB-Daten und den Textdaten keinerlei Zusammenhang – Datensilos und Formate sind völlig inkompatibel.
  4. Inhaltlich gibt es zwischen den Daten aber einen Zusammenhang: Beide gehören zum Business Content und können über „Produkte“ zugeordnet werden.

Ziel ist es, in der Darstellung zu einem Produkt sowohl die DB-Daten (Produkt­detail, Bestellungen zu den Produkten, Kunden, Lieferinformationen etc.) als auch die Textdaten (zugeordnete Produkt-Reviews, Anzahl und Sentiments der Reviews etc.) miteinander zu verknüpfen (Abb.1).

Abb. 1: Eine vollständige Sicht auf ein Produkt (hier: auf das Produkt „Chai“) könnte so aussehen:

Erkennbar sind die Verlinkungen zu den betreffenden Informationen – egal ob nun zu einer bestimmten Bestellung (z. B. „10285“) oder zu einem Kunden (z. B. „Lonesome Pine Restaurant“) oder zu einem bestimmten Review („Immer wieder.txt“) oder zum Lieferanten („Exotic Liquids“) gewechselt werden soll.

  • In der „Bestellung“ kann ich – neben den gesamten Bestellungsdetails natürlich – erkennen, welche weiteren Produkte in dieser Bestellung 10285 enthalten waren, oder kann die Trackingdaten dieser Lieferung aus dem Lieferantensystem einblenden usw.
  • In dem „Kunden“ kann ich – neben den gesamten Kundendetails – z. B. mittels einer (im WEX-Lieferumfang enthaltenen) visuellen Aufbereitung die KPI-Daten dieses Kunden (wie Anzahl Bestellungen pro Jahr, Wert und zeitlicher Verlauf der Bestellungen, Produktspektrum und jeweiliger Wert) anzeigen.
  • Über „Review“ kann ich z. B. den Volltext oder nur die Bewertung des Sentiments (Stimmungsabbild) des verknüpften Dokumentes anzeigen.
  • Über „Lieferant“ kann ich die Produkte sehen, die von diesem Lieferanten kommen, kann mittels visueller Aufbereitung die KPI-Daten dieses Lieferanten anzeigen (wie z. B. Liefermenge je Produkt, Wert der Lieferungen in der zeitlichen Abfolge) oder Vertragsdaten.

Zur Technik dahinter

Für die folgende Darstellung wurde die 360°-View-Anwendung nur auf die Darstellung der Produkte und zugehörigen Reviews reduziert.

Die betreffende File aus der DB2/400 (Abb. 2) wird mit WEX indexiert (Abb. 3).

Abb. 2: Die betreffende File aus der DB2/400
Abb. 3: Die betreffende File aus der DB2/400 wird mit WEX indexiert

Der Datensatz mit der ProductID=0 ist somit nun über den WEX-Index verfügbar (Abb. 4). Hingewiesen sei auf den Inhalt von Productname: Hier steht „Chai“ als Name dieses Produktes.

Abb. 4: Der Datensatz mit der ProductID=0 ist somit nun über den WEX-Index verfügbar

Analog dazu werden die Texte aus dem Filesystem im WEX indexiert, allerdings mit dem „Umweg“ über eine AnalyticsKomponente: In einem Wissensbaustein ist der Produktkatalog hinterlegt, und bei jedem Indexieren wird untersucht, ob in dem betreffenden Text über ein Produkt aus dem Katalog gesprochen wird. Wenn ja, dann wird das erkannte Produkt an den betreffenden Text „annotiert“. Mit anderen Worten: Nach dem Umweg weiß WEX, über welche(s) Produkt(e) ggf. in dem Text berichtet wird. Ein Review ist im Index gespeichert (Abb. 5).

Abb. 5: Ein Review ist wie folgt im Index gespeichert:

Hingewiesen sei auf den Inhalt von Products (Abb. 6). Hier steht „Chai“ als Name der mit dem betreffenden WEX-Wissensbaustein erkannten (und an das Dokument annotierten) Produkte.

Abb. 6: Der Originaltext lautet (… und erkennbar ist die Nennung des Produktes „Chai“)

Der Originaltext lautet (… und erkennbar ist die Nennung des Produktes „Chai“):

Somit stehen die betreffenden Indexdaten zur Verfügung und können nun in einer Anwendung präsentiert werden.

Über den (im WEX-Lieferumfang enthaltenen Application Builder) wird die 360°-View-Anwendung erstellt. Hierzu werden zunächst sog. Entitäten definiert, hier z. B. „Product­AS400“ für die o. g. Produkte der DB-Daten und „Product Review“ für Review-Texte.

In der Detaildarstellung eines ProductAS400 werden – neben den Details aus dem Produkt – in einem Widget in Listenform die Reviews zu dem ausgewählten Produkt angezeigt. Hierfür müssen die betreffenden Entitäten verknüpft werden, es wird eine sog. Associate entity bei der Entity „Product­AS400“ erstellt (Abb. 7).

Abb. 7: Die betreffenden Entitäten müssen verknüpft werden; es wird eine sog. Associate entity bei der Entity „ProductAS400“ erstellt

Verknüpft wird also der Inhalt von [PRODUCTNAME] aus der Entity ProductAS400 (z. B. „Chai“) mit dem Inhalt von [products] aus der Entity „ProduktReviews“ (z. B. „Chai“). Hiermit wird erreicht, dass die bisher nebeneinander stehenden und voneinander völlig unabhängigen Systeme in einen gemeinsamen Kontext gebracht werden.

Im Falle eines anderen Produktes sieht das Ergebnis wie folgt aus (Abb. 8 reduzierte Produktsicht).

Abb. 8: Im Falle eines anderen Produktes sieht das Ergebnis wie folgt aus (reduzierte Produktsicht):

Zusammenfassung

360°-View-Anwendungen ermöglichen das Überwinden der Silogrenzen. Der Benutzer muss nicht zwingend in den einzelnen Datensilos arbeiten, das selektive Bereitstellen von Silodaten kann in einem anderen Kontext erfolgen, in einem „Digitalen Arbeitsplatz“. Eine solche Anwendung neuen Typs schafft fast die Quadratur des Kreises: Informationen in einer Anwendung zusammenführen, die von ihrer Datenstruktur und ihren Aufbewahrungsorten inkompatibel sind.

Dies alles ist bereits out-of-the-box mobilfähig – ein hoher Zusatznutzen, der die Entscheidung für eine 360°-View-Anwendung sicher erleichtern kann.

Dr. Michael Kosmowski,
Software-Architekt der PROFI AG