Business-Lösungen

Starten agiler Projekte

Komplexe Aufgabenstellungen klar strukturieren

Agile Methoden, wie beispielsweise das agile Regelwerk SCRUM, sind mittlerweile in der Software-Entwicklung zum festen Bestandteil geworden und in vielen Unternehmen erfolgreich im Einsatz. 

Ungeachtet der bekannten und leicht zu verstehenden Grundregeln agiler Methoden, stellt sich immer wieder die Frage, wie Projekte agil aufgesetzt und gestartet werden sollen. Hier tun sich immer noch viele Unternehmen schwer, denn das Regelwerk SCRUM formuliert den Startrahmen nicht explizit. Auch ist vielen nicht klar, wie definierte Release-Termine oder ein definierter Budgetrahmen im agilen Kontext gehandhabt werden. Wir wollen die ersten Schritte eines agilen Projekts anhand eines konkreten Beispiels vorstellen.


Ausgangslage

Das Vorhaben umfasst die komplette Neuentwicklung einer unternehmenskritischen Anwendungslandschaft und damit die Ablösung eines AS/400-basierten Altsystems. Die fachlichen Anforderungen sind umfangreich. Das Vorhaben soll nach agilen Methoden umgesetzt werden, um die Ergebnisse in kurzen Zyklen messen zu können. Die komplette technische Basis inklusive Architekturmodell ist zu Beginn offen.

Erwartungshaltung und definierter Rahmen

Schritt 1 – Abstimmung Management

Im ersten Schritt wird mit dem Management sowie den technischen und fachlichen Verantwortlichen die agile Methodik besprochen und ausführlich geklärt, wie im agilen Kontext Planungen, Ergebniskontrolle sowie Prognosen umgesetzt werden. Konkret wird das Prinzip der empirischen Datenbasis inklusive Burndown-Charts und Velocity-Berechnung vorgestellt. Für das Management ist das, neben den kurzen, transparenten Sprintzyklen, der entscheidende Faktor, die agile Methodik SCRUM einzusetzen.

In diesem ersten Schritt werden die Rollen des SCRUM Masters und des Product Owners besetzt. Ein erfahrener SCRUM Master und SCRUM Coach begleitet die komplette Realisierung.

Schritt 2 – Fachlicher Rahmen

Im zweiten Schritt wird der Rahmen in Form eines ersten Product Backlogs ermittelt. Hierfür werden mit den fachlichen Spezialisten des Unternehmens fachliche User Stories beschrieben und damit ein erster Scope ermittelt. Bereits hier zeigen sich die Unterschiede zum „Altsystem“, denn die neue Plattform soll nicht nur eine Neuentwicklung sein, sondern eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung. Im Anschluss an diesen Schritt wird mit dem Management besprochen, wie sich das initiale, agile Team zusammensetzt.

Schritt 3 – Prototyp

Im dritten Schritt wird mit dem Team ein Prototyp erstellt, um die technische Basis zu evaluieren und zugleich das Prinzip der Benutzerführung zu verproben. Hierfür werden zwei Sprints mit einer Sprintlänge von zwei Wochen aufgesetzt und durch einen erfahrenen Senior-Architekten begleitet. Der Prototyp wird in Form eines Reviews dem Management vorgestellt.Als Ergebnis steht nach diesem Schritt die technologische Basis für die Entwicklung.

Schritt 4 – Initialer Product Backlog

Im vierten Schritt wird ein initialer Product Backlog erstellt, der als Erweiterung zum ersten fachlichen Backlog (Schritt 2) weitere konzeptuelle Aufgaben sowie auch technische Aufgaben enthält. Des Weiteren werden die fachlichen User Stories in möglichst kleine Aufgaben geschnitten. Alle Aufgaben werden gemeinsam im Team nach dem Prinzip der relativen Aufwandsschätzung (Storypoints) geschätzt. Somit entsteht ein erster kompletter Schätzwert für den Product Backlog.

Schritt 5 – Sprints

Das Team startet die Realisierung in Form der ersten Sprints. Als Sprintlänge werden 3 Wochen festgelegt. Nach dem 2. Sprint werden bereits erste echte Ergebnisse vorgestellt. Es werden Sprint Burndown Charts ermittelt, um die Teamperformance transparent zu machen.

Schritt 6 – Erste Prognose

Auf der Basis der ermittelten IST-Daten der Teamperformance während der ersten 3 Sprints wird eine erste Prognose für die Fertigstellung bzw. für die Umsetzung des Product Backlogs ermittelt und dem Management vorgestellt. Dadurch kann auch eine Kostenschätzung für die Umsetzung direkt abgeleitet werden.

Fazit

Durch den Einsatz agiler Methoden konnte sofort mit dem Projekt gestartet werden. Es wird keine Zeit mit unabgestimmten und theoretischen Arbeiten verloren. Fachliche und technische Spezialisten arbeiten zusammen. Alle technischen Entscheidungen werden durch das Team getroffen, sodass alle Mitarbeiter beteiligt sind und die Entscheidungen mittragen.

Durch das Prinzip der Prognoseermittlung auf der Basis empirischer Daten konnte nach kurzer Zeit ein konkreter Release-Termin genannt werden. Ein wesentlicher Vorteil der Vorgehensweise war, dass die sehr komplexe Aufgabenstellung sehr schnell in überschaubare und klar strukturierte Teile geschnitten werden und das Team sofort mit der Umsetzung starten konnte. 

Frank Joecks,
Geschäftsfeldleiter Software-Lösungen der PROFI AG