Der Mensch wird immer wichtiger

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Der Mensch wird immer wichtiger

Interview mit Lutz Hohmann zum Thema Arbeit 4.0

Der digitale Wandel schreitet immer weiter voran. Die Märkte verändern sich und damit die Herausforderungen für Unternehmen. Es entstehen neue Produkte und Dienstleistungen. Doch was bedeuten diese Veränderungen für Unternehmen und ihre Mitarbeiter? Wie müssen Unternehmen auf diese Veränderungen reagieren? Und was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „Arbeit 4.0“? Das Wirtschaftsecho hat bei Lutz Hohmann, Vorstandsmitglied der PROFI AG aus Darmstadt, nachgehakt.

Wirtschaftsecho: Herr Hohmann, welche Bedeutung hat der digitale Wandel für ein Unternehmen wie die PROFI AG?

Lutz Hohmann: Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitsweisen enorm. Das beginnt zuallererst einmal bei unseren Arbeitsmitteln. Das Internet, Smartphones, die neuen Technologien – all das macht uns unabhängiger von Raum und Zeit. Die Art und Weise, wie wir unsere Arbeitsmittel nutzen, der Arbeitsort und die Arbeitszeit sind im Wandel. Dazu kommt natürlich die Form der Zusammenarbeit: Unsere Kundenprojekte sind deutschlandweit verteilt und es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher, neuer Disziplinen, die alle in ein solches Projekt hineinspielen. Es ändert sich viel Organisatorisches, denn die unterschiedlichen Arbeitsbereiche müssen stärker vernetzt werden. Die Zusammenarbeit wird wichtiger, um die Kompetenzen aus den unterschiedlichen Bereichen zusammenzuführen.

WE: Resultieren aus der Digitalisierung neue Herausforderungen für die PROFI AG?

LH: Die Themen werden komplexer. Jeder Mitarbeiter verfügt über ganz spezielles Wissen aus seinem individuellen Arbeitsbereich. Eine große Herausforderung ist es nun, dieses vorhandene Wissen zusammenzubringen und anwendbar zu machen. Was nützen einem viele einzelne Wissenssilos? Die Zusammenarbeit und die Vernetzung sind entscheidend und in diesem Zusammenhang müssen die sozialen Kompetenzen gefördert werden. In Zeiten der Digitalisierung wird der Mensch immer wichtiger. Technik ermöglicht vieles, doch das Entscheidende sind die Menschen, die der Technik erst Sinn verleihen.

WE: Also muss der digitalen Transformation eine Humantransformation folgen?

LH: Genau. Denn die Technik ermöglicht es, bestimmte Themen und damit Menschen über Grenzen hinweg zusammenzubringen. Es ist wichtig, diese Möglichkeiten zu nutzen, Netzwerke aufzubauen und zu erweitern – sowohl intern als auch extern. Als Unternehmen kooperieren wir mit anderen Unternehmen, denn wir dürfen uns nicht isolieren. Wir müssen Abteilungen vernetzen. Der Wert der Digitalisierung entsteht erst in diesem Zusammenspiel. Die menschliche Komponente gewinnt an Bedeutung, denn der Mensch fördert Kreativität und Innovation.

WE: Was bedeutet der digitale Wandel denn konkret für die Führung der Mitarbeiter?

LH: Arbeit 4.0 ist von Veränderung geprägt, deswegen schulen wir neben den fachlichen auch die sozialen Kompetenzen. Der ungezwungene Austausch zwischen den Mitarbeitern und Führungskräften ist dabei das A und O. Darum legen wir großen Wert auf regelmäßige Meetings mit persönlichem Zusammentreffen. Diese Events sind trotz des digitalen Wandels nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer vielfältigen Unternehmenskommunikation. Wir haben viele junge, aber auch viele erfahrene Mitarbeiter. Das bedeutet unterschiedliche Erfahrungen, Arbeitsweisen und Perspektiven. Davon profitieren wir in der Projektarbeit enorm. Wir dürfen unsere Mitarbeiter aber nicht einschränken. Darum legen wir großen Wert auf Selbstmanagement. Vertrauen und Zusammenarbeit sind wichtiger als Hierarchie. Entscheidend ist das Ergebnis.

WE: Welchen Herausforderungen müssen sich Unternehmen künftig außerdem stellen?

LH: Wir müssen uns als attraktiver Arbeitgeber positionieren und flexibel auf die Bedürfnisse der heranwachsenden Generation eingehen. Hier sind die Vorstellungen und Werte auch im Wandel. Ein hohes Gehalt oder ein Firmenwagen stehen häufig nicht an erster Stelle. Es geht um die Inhalte von Projekten oder die individuellen Freiheiten, die wir unseren Mitarbeitern einräumen. Dementsprechend werden auch hier der Mensch und die soziale Komponente immer wichtiger.

Lutz Hohmann,
Vorstandsmitglied der PROFI AG