PROFI auf der IBM World Of Watson

Business-Lösungen

PROFI auf der IBM World Of Watson

Ein Erfahrungsbericht

Im Oktober 2016 öffneten in Las Vegas die Tore zur IBM Konferenz „World of Watson“ (#ibmwow): Hier wurden mit 17.000 Teilnehmern aus über 65 Ländern alle Aspekte des „kognitiven Computings“ präsentiert, diskutiert und vertieft.

Es war unglaublich inspirierend zu erleben, wie in unterschiedlichen „Größenordnungen“, d. h. Sichten auf das Leben allgemein und auf das Business konkret, die kognitiven Fähigkeiten der Computer immer mehr um sich greifen. IBM Chairman, President und CEO Ginni Rometty sagte u. a.: „I believe within five years, cognitive computing will impact every decision.“

Die Vision der IBM von der Verschmelzung digitaler Möglichkeiten mit den kognitiven Fähigkeiten (das ist eine mögliche Definition von „cognitive computing“) zu erleben war sehr beeindruckend. Dies zog sich durch von dem ganz groß gespannten Bogen über die in Vorträgen thematisierten einzelnen Schwerpunkte bis hin zu den in Breakout Sessions präsentierten Lösungen im Detail. Lassen Sie mich folgende Beispiele zum Nachvollziehen für Sie nennen:

  1. Thomas Friedman, Publizist und Kolumnist der New York Times, mehrfach mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, stellte in „Thank You for Being Late“ eine Sicht auf unsere Welt dar, die klar, aufrüttelnd und hoffnungsvoll zugleich war. Es ist meine herzliche Empfehlung, sich diese knapp 50 min (inkl. der kurzen und passenden Einleitung des IBM Vizepräsidenten Dr. John Kelly) als Replay zu gönnen – Sie werden es als Bereicherung empfinden.
  2. Wir als PROFI AG waren eingeladen, in einer Breakout Session über das Projekt bei unserem Kunden „media control“ unter der Überschrift „Analyzing Social Networks with IBM Watson: A Publisher's Success Story“ zu berichten: media control analysiert mit IBM Watson Explorer den User Generated Content in Foren, Blogs, News und Reviews zu deutschsprachigen Buchtiteln, um hiermit als Marktforscher seinen Kunden nicht nur die Verkaufszahlen zu liefern, sondern auch „die Story dahinter“ (Details hierzu siehe PROFI.news 1.2015 S. 28f oder in der PROFI.referenz "media control"). Ca. 60 „internationale Teilnehmer“ folgten in der Session den Ausführungen zu den Zielen, der Lösungsarchitektur und dem Ansatz, der Live-Demo sowie den Resultaten und den Lessons Learned dieses Projekts.

    „Watson“ ist eines der zentralen Zukunftsfelder der IBM, hier werden hohe Investments getätigt in dem Wissen, dass künftige Anwendungen aller Art immer stärker mit kognitiven Fähigkeiten ausgestattet werden müssen. Dies ist längst nicht mehr den „klassischen“ und erwarteten Anwendungsgebieten wie z. B. der Business Intelligence vorbehalten, sondern durchdringt auch kollaborative Anwendungen wie z. B. IBM Notes/Domino mit seinen Assistenten für Mail und Kalender: Zunehmend werden in den Anwendungen kognitive Komponenten integriert, die als Entscheidungsunterstützer oder Assistent den Nutzen der Anwendungen erhöhen.

    „Watson“ fokussiert all die Aktivitäten der IBM, die synonym mit „kognitives Computing“ bezeichnet werden. Im Kern geht es um die Frage, wie intelligent mittels neuester Entwicklungen in den Computerwissenschaften und kognitiver Technologien mit den vorhandenen Daten umgegangen werden kann (und muss), um das Potential der Daten tatsächlich zu nutzen, um sie als wahres Asset eines Unternehmens (insgesamt: der Gesellschaft) zu entwickeln.

Hieraus erwachsen – aus der Sicht der IBM – verschiedene Handlungsstränge:

  • Neu – anders – denken: Welche neuen Dienstleistungen und Geschäfte lassen sich an den Markt bringen?
  • Wie lassen sich die kognitiven Fähigkeiten nutzen, um die „operationale Excellence“ voranzubringen? Welche Optimierungsmöglichkeiten ergeben sich durch ein höheres Niveau von Prozessen und Wertschöpfungsketten, durch intelligente Nutzung von Daten in Echtzeit, wie kann das Ergebnis besser, nachhaltiger und wertiger gestaltet werden?
  • Wie lassen sich Menschen und Organisationen durch intelligente Assistenzsysteme stärker machen, um den neuen Herausforderungen besser begegnen zu können?
Die T-Mobile Arena in Las Vegas, Location der zentralen Veranstaltungen der IBM „World of Watson 2016“.

Im Mittelpunkt der Vorstellung von IBM-Lösungen bei der #ibmwow standen insbesondere die Cloud-basierten Services:

  • Mit der IBM Watson Data Platform wurde ein neuer Service in der IBM Cloud angekündigt, mit dem auf einer offenen, intelligenten und hybriden Plattform Daten- und Analyseservices für jeden Typ von Anwender bereitgestellt werden. Die Lösung ist die einzige kollaborative Plattform, die mit dem AI (artificial intelligence) und den maschinellen Lernfähigkeiten von Watson betrieben wird.
  • Mit den permanent erweiterten Watson-API-Services werden insbesondere (aber nicht nur) Startups dazu ermuntert, hilfreiche und sehr konkret auf einzelne Business Cases ausgerichtete intelligente Apps zu entwickeln – hierzu wurde eine Reihe sehr ansprechender Beispiele vorgestellt. Diese Watson-Services bedienen eine große Bandbreite von Funktionen, von der Text- und Spracherkennung über Insights der übergebenen Texte (z. B. die Tonalität) bis hin zur Bilderkennung.

    Als ein Beispiel wurde z. B. eine Anwendung für Gutachter vorgestellt: Drohnen überfliegen Dächer in Wohnsiedlungen (z. B. nach einem Sturm), und Watson-Services – trainiert auf die Entdeckung von Dachschäden in Luftaufnahmen – geben ein Feedback über den Zustand der Dächer. Damit können Gutachten rascher erstellt werden mit deutlich weniger Aufwand in der Gutachtertätigkeit, wodurch Schäden ggf. rascher reguliert werden können, eine Win-Win-Situation für Geschädigte und für Versicherer.

Für die PROFI AG wird es auch künftig darum gehen, sowohl mit dedizierten On-Premise-Anwendungen – wie z. B. „Watson Explorer“ – als auch mit Watson-Services in der Cloud unseren Kunden dabei zu helfen, den „versteckten Wert“ in den Daten aufzudecken bzw. den Nutzwert der Daten zu erhöhen, indem diese geeignet für intelligente Entscheidungsunterstützung hinzugezogen werden können.

Ein neues Betätigungsfeld kann die Beschäftigung mit Dialogsystemen werden, sog. „Bots“: Hierunter sind kundenspezifische „robotergestützte“ Anwendungen zu verstehen, die mit Endbenutzern über eine Konversationsschnittstelle interagieren können, z. B. um eine erste Anfrage zu routen, und zu raschen kontextbezogenen Aktionen führen.

Manchmal erschwert die Vielfalt der IBM-Offerings das Verständnis dessen, was mit „Watson“ eigentlich gemeint ist: Beratung, Orientierung und Unterstützung beim Herausarbeiten der eigenen Use Cases ist angezeigt. Die PROFI AG arbeitet bereits seit einigen Jahren erfolgreich auf diesem Gebiet. Wir konnten eine Reihe von Kunden in ihren Projekten beim Einführen kognitiver Technologien erfolgreich begleiten.

Einige persönliche Nachbemerkungen zu einer so großen erlebten Konferenz seien gestattet:

  1. Es war sehr positiv auffallend, wie viele Frauen in Führungspositionen bei IBM ihre Themen vorstellten.
  2. Für das Managen des Konferenzbesuchs gab es eine ausgezeichnete App auf dem Smartphone, mit der man den Überblick behielt und die – mit Unterstützung von Watson – auch für eine recht gute Empfehlung aus dem Konferenzprogramm mit seinen über 1.200 Veranstaltungen sorgte. Personalisierte Informationen, Planungen, Wegweiser zu den Veranstaltungen, Fragen und Antworten – ohne diese App wäre es sehr schwer gewesen sich zu orientieren. So etwas setzt Maßstäbe und künftige Erwartungen zugleich.
  3. Auch wenn man naturgemäß bei einer Konferenz meistens sitzt – die Größe des Convention Centers und damit das Erfordernis viel zu laufen hat dafür gesorgt, dass pro Tag mehr als 15.000 Schritte getan wurden. Das ist ein Beispiel für „kleine Dinge“, auf die man mit einer Gesundheits-App aufmerksam wird (und nicht nur über ungesundes Essen nachdenkt …) – diese kleinen (und ggf. mit Watson-Services aufzuwertenden) Apps sind aus unserem Leben künftig nicht mehr wegzudenken.
Dr. Michael Kosmowski,
Software-Architekt der PROFI AG