Neue Herausforderungen für die Anwender

Business-Lösungen

Neue Herausforderungen für die Anwender

Strategie- und Prozessberatung

Nach der Mechanisierung und der Elektrifizierung kommt mit der Digitalisierung nun der nächste Entwicklungsschritt der industriellen Revolution: Industrie 4.0. Manfred Lackner, Vorstandsvorsitzender der PROFI Engineering Systems AG, sprach darüber mit Ulrich Parthier, Herausgeber it management.

Ulrich Parthier: Industrie 4.0 ist das Synonym für den Trend, industrielle Prozesse und Technologien mit den dazugehörenden Geschäftsprozessen durch IT umfassend miteinander zu verknüpfen. Würden Sie diese Beschreibung so unterschreiben?

Manfred Lackner: Das Wort „Trend“ greift etwas zu kurz. Industrie 4.0 ist wesentlich mehr. Es ist ein nachhaltiges Konzept, das die einzelnen Vorgänge der unternehmerischen Wertschöpfung innerhalb eines Unternehmens durchdringt und miteinander verbindet. Dazu muss man sich drei Grundprinzipien der Unternehmensstruktur im Industrie 4.0-Zeitalter vor Augen halten.

Erstens, die vertikale Integration innerhalb eines Unternehmens. Hiermit sind Geschäftsprozesse tangiert, die die Wertschöpfungskette innerhalb des Unternehmens abbilden, z. B. Auftragsbearbeitung und Produktionssteuerung, Lagerverwaltung und Einkauf, Vertrieb und Finanzplanung und andere.

Die horizontale Integration, der zweite Aspekt, geht über die interne Betrachtung hinaus und befasst sich mit der Verbindung einzelner Funktionsbereiche von mehreren Unternehmen untereinander. Diese Verbindung könnte beispielsweise eine transparente Lieferkette zwischen Hersteller, Zulieferer und Kunde sein mit dem Austausch von Auftragsdaten. Die beiden genannten Integrationsformen entfalten aber erst durch den dritten Aspekt die eigentliche Schlagkraft von Industrie 4.0: die sogenannte Collaboration. Durch die enge Verzahnung von Prozess-Know-how (vertikale und horizontale Integration) und IT können Unternehmen ihr volles Geschäftspotenzial ausschöpfen. Mehr noch. Sie erschließen sich neue Marktsegmente und sichern sich Wettbewerbsvorteile: schnellere Reaktion auf neue Kundenanforderungen, Entwicklung innovativer Produkte durch zielgenaue Auswertung vorhandener Nutzungsdaten und vieles mehr.

UP: Technologie ist ja kein Selbstzweck. Werfen wir einen Blick auf den Produktionsalltag. Wie könnte so ein Beispiel aussehen?

ML: Nehmen wir die Automobilhersteller, genauer gesagt die Motorblockfertigung, um ein plastisches Praxisbeispiel zu wählen. Bislang sah der Fertigungsprozess ein vielstufiges Verfahren vor, an dessen Ende eine Qualitätskontrolle entschied, ob das Produkt den eigenen Ansprüchen entsprach oder nicht. Die Folge waren hohe Produktions-, Aufwands- und Materialkosten, da der Motorblock im Zweifelsfall am Ende aussortiert wurde.

Heute lassen sich mit Hilfe von Industrie 4.0-Lösungen zu jedem Prozessschritt die relevanten Produktionsdaten in Echtzeit erheben. Die Entscheidung über die Qualität des Motorblocks erfolgt also nicht erst am Ende der Produktion, sondern sofort. Während des Herstellungsprozesses wird also bereits die Auslese getroffen. Fehlerhafte Elemente werden bereits während des Produktionsprozesses umgehend aussortiert und damit unnötige Fertigungs- und Prozessschritte eingespart.

UP: Im Prinzip geht es immer um wettbewerbsrelevante Fragen und Lösungen. Sie selbst sind ja dabei, sich als Unternehmen zu transformieren, und bieten zunehmend Prozessberatung an. Sie haben sich quasi selbst transformiert?

ML: Die PROFI AG kommt von der IT-Infrastruktur und hat sich weiter in Richtung der Prozessberatung entwickelt. Grund dafür war das immer stärker aufkommende Thema der digitalen Transformation. Der Bedarf an Prozessberatung auf dem Markt – gerade in der Fertigungs- und Automobilindustrie – ist groß, sodass wir vor einem Jahr ein erfahrenes Spezialistenteam zusammengestellt haben, das Industrie 4.0-Lösungen in allen Branchen umsetzen kann. Wichtig ist, dass Digitalisierungs- und Industrie 4.0-Projekte nur durch die enge Verzahnung von Prozess- und IT-Know-how erfolgreich sind. Eines alleine reicht nicht aus. Unsere Berater haben das im Blick und geben ihre Expertise an unsere Kunden weiter.

UP: Wie unterstützen Sie Ihre Kunden genau?

ML: Wir unterstützen unsere Kunden bei der Prozessberatung und bei der Entwicklung von IT-Lösungen. Das betrifft im Rahmen von Industrie 4.0 vor allem die Modernisierung von bestehenden Kernanwendungen: die sogenannte agile Software-Entwicklung. (Hier gehts zum Flyer Software-Entwicklung: "SCRUM - DIE AGILE METHODE"). Wie können diese Anwendungen so weiterentwickelt werden, dass sie den gegebenen Unternehmens- und Marktanforderungen entsprechen? Auch hier gilt es zu beachten, dass Prozess- und IT-Know-how zwei Seiten der gleichen Medaille und nicht losgelöst voneinander zu betrachten sind.

„Industrie 4.0 ist viel mehr als ein Trend. Es ist ein nachhaltiges Konzept, das den Aufbau eines Unternehmens durchdringt und es auf heutige und künftige Marktanforderungen ausrichtet.“
Manfred Lackner, Vorstandsvorsitzender der PROFI AG

UP: Thema SAP, auch hier liegt ein Schwerpunkt bei Ihnen. Wie passen Industrie 4.0 und SAP zusammen?

ML: Anfangs wurde das Potenzial von SAP HANA von vielen verkannt. Sie sahen nur die schnelle Datenbank und die In-Memory-Technik. HANA ist jedoch viel mehr: Es ist eine völlig neue Anwendungsarchitektur und damit eine optimale Digitalisierungsplattform für Industrie 4.0-Lösungen, da HANA große Datenmengen aus komplexen Transaktionen, von mobilen Anwendungen oder auch Sensoren in Echtzeit analysieren und die entsprechenden SAP-Transaktionen durchführen kann.

UP: Mit dem Begriff Industrie 4.0 sind auch die Themen Big Data und Security eng verknüpft. Kommen wir zunächst zum Thema Security. Worauf müssen wir uns einstellen?

ML: Security ist für Industrie 4.0 essentiell, wird aber oft unterschätzt und nicht im Design der IT-Landschaft berücksichtigt. Anders als in klassischen Datennetzen wird das Security-Design in der Fertigungs- und Produktionsindustrie nicht im selben Maßstab umgesetzt. Das bietet Angriffspunkte für Schad-Software und Hacker.

Ein Beispiel sind die SCADA-Systeme. Darunter versteht man das Steuern technischer Prozesse mittels eines Computersystems. Allerdings ist SCADA nicht für das Thema Security ausgelegt. Warum? Weil es bei der Einführung nicht notwendig war. Die Prozesse waren in geschlossenen Systeme eingebettet, also Silo­lösungen. Heutzutage allerdings, wo diese Systeme an das Internet angeschlossen sind und die Daten von Live-Produktionssystemen aus dem Internet abgefragt werden können, entstehen automatisch Sicherheitslücken.

Die Frage ist also, wie Unternehmen Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig von Industrie 4.0-Lösungen profitieren können. Wir empfehlen Office- und Fertigungsnetze zu segmentieren und zu trennen. Wie gesagt, ohne ein vernünftiges Security-Design sind Hackerangriffen Tür und Tor geöffnet. Viele IT-Landschaften müssen neu designed und Security-Prozesse neu etabliert werden, eine komplexe und nicht triviale Aufgabe. Wichtig ist, dass jedes Industrie 4.0-Projekt von Anfang an Security by Design berücksichtigt.

Für den Bereich IT-Security verfügen wir über ein komplettes Security Competence Center, das diese Konzepte kundenspezifisch entwickelt und implementiert.

UP: Kommen wir nun zu Big Data. Es geht ja nicht nur um die Sammlung von Daten. Sie müssen ja auch gespeichert, priorisiert und visualisiert werden. Welchen Ratschlag können Sie uns aus Ihrem Erfahrungsschatz geben?

ML: Die Frage ist, wie Unternehmen sich die riesigen Datenmengen, die sie beispielsweise mit einer transparenten Lieferkette sammeln, nutzbar machen können. Dabei gilt es vier Dinge zu berücksichtigen: die Datenqualität, die Performance, die Tool-Auswahl und wie die Auswertung aussehen soll. Auch hier gibt es keine pauschale Lösung. Stattdessen müssen die Begebenheiten im Unternehmen einzeln geprüft werden, da beispielsweise BI-Tools bereits im Einsatz sind oder dynamische statt statische Reports sinnvoller wären. Häufig ist z. B. eine echtzeitnahe Auswertung mit prediktiven Algorithmen und Rückkopplung in den Prozess notwendig, z. B. Videoüberwachung im Katastrophenmanagement: Hier werden kritische Sequenzen erkannt, herausgefiltert und ausgewertet, um Sofortmaßnahmen einleiten zu können.

Wir bieten Kunden einen Workshop an, in dem wir Ihre Anforderungen analysieren und optimale Lösungen aufzeigen.

Manfred Lackner,
Vorstandsvorsitzender der PROFI AG