Den Blick für die Architektur haben

Business-Lösungen

Den Blick für die Architektur haben

Im Expert Talk: Matthias Kohlhardt, PROFI AG

Will ein Unternehmen erfolgreich sein, darf das Thema Digitalisierung der Geschäftsprozesse nicht vernachlässigt werden. Doch in den meisten Fälle sind die bestehenden Anwendungen auf der IBM i fit zu machen, damit sie die neuen Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung begegnen können. Matthias Kohlhardt, Geschäftsbereichsleiter Software-Lösungen bei der PROFI AG, erläutert im Gespräch mit dem Midrange Magazin, welche Optionen es gibt.

Midrange Magazin: Die bestehenden Anwendungen auf der IBM i stellen bei den meisten Unternehmen das Rückgrat für das Business dar. Wie kann man die Anwender motivieren, dass sie modernisieren?

Matthias Kohlhardt: Die typischen Anwendungen sind in den letzten 15 bis 20 Jahren häufig unter einem hohen fachlichen Anfor­derungsdruck von pragmatischen Prozesskennern in den Unternehmen entwickelt und optimal auf die Bedürfnisse der Fachbereiche abgestimmt worden. Häufig fehlt dabei der Blick auf die Software-Architektur und neue Technologien fanden in vielen Fällen nur spärlich oder gar keine Anwendung. Heute stehen die Unternehmen vor der Situation, dass sie zwar eine nahtlos in die Betriebsabläufe integrierte Software ihr Eigen nennen. Sie spüren aber, dass der Handlungsdruck steigt:

  • Verrentung der bisherigen Mannschaft
  • Fachkräftemangel generell erschwert die Akquise neuer Mitarbeiter
  • Junge Entwickler kennen sich mit den traditionellen Verfahren und Sprachen auf IBM i selten gut aus
  • Ein Umstieg auf eine Standard-Software in unternehmenskritischen Bereichen birgt ungeahnte Risiken und macht auf Dauer abhängig von externen Partnern
  • Eine komplette Neuentwicklung ist betriebswirtschaftlicher Wahnsinn und zeitlich indiskutabel

Vor diesem Hintergrund scheuen sich viele Unternehmen, überhaupt etwas zu tun, denn es besteht häufig kein Wissen über die richtige Methodik beim Herangehen an die Modernisierung. Ebenso werden viele Werkzeuge zwar propagiert, doch die Entscheidung für das wirklich passende ist nicht leicht. Und auch das fehlende Wissen im eigenen Team erschwert die Situation.

Doch genau hierfür haben wir seitens PROFI uns mit der PKS Software zusammengetan. Wir bieten von der Erstanalyse des bestehenden Systems über dessen effiziente Bereinigung und Modernisierung auch den Betrieb und die Neu- und Weiterentwicklung aus einer Hand und mit einem erfahrenen Team an. Dass dieser Weg erfolgreich ist, beweisen zum Beispiel unsere Referenzkunden BKB Bank und Riedel / Nachtmann, die beide riskante Ablöseprojekte in Millionenhöhe abwenden konnten.

MM: Altanwendungen fit machen für die Digitalisierung – wie unterscheidet sich diese Aufgabe von einem „Aufhübschen“ von bestehenden Greenscreen-Applikationen?

MK: Das reine „Aufhübschen“ einer Greenscreen-Anwendung kann man heute keinem IT-Verantwortlichen empfehlen, denn es greift zu kurz und kostet dennoch Geld und Zeit. Um wirklich auch fit für die Digitalisierung zu werden, müssen die Altsysteme systematisch von nicht mehr benötigten oder verwendeten Code-Artefakten zunächst entschlackt werden. Das reduziert das System i. d. R. um 30 Prozent und mehr. Danach werden die bereinigten Systeme geclustert und in fachliche Entitäten zerlegt. Dies schafft die Basis für eine service-orientierte Nutzung des Systems und die Anbindung der für die Digitalisierung der Unternehmensprozesse notwendigen Systeme. Das Wichtigste dabei: Dieses Verfahren ist innerhalb weniger Monate durchführbar und macht die Digitalisierung daher nicht nur generell möglich, sondern macht sie SCHNELL realisierbar.

MM: Welche Optionen eignen sich für das Fitmachen von Altanwendungen auf der IBM i?

MK:

  • Clean-up und Code-Washing
  • Clustering und gezielte Schnittstellen­bereinigung
  • Datenbank-Modernisierung – Umstieg auf SQL
  • Nutzung moderner JavaScript-Frameworks für die Erstellung moderner Bedienoberflächen (das Gegenteil von Screenscraping)

MM: Welche Tools eignen sich für das Modernisieren oder Neuentwickeln von bestehenden Anwendungen auf der IBM i?

MK:

  • RDi, eXplain zur Code-Renovierung und effizienten Weiterentwicklung ist Grundausstattung für die Entwickler
  • Tools zur automatischen Migration von Alt-RPG nach freeRPG sind ein Must-Have
  • Tools zur Trennung von Datenbank- und Businesslogik nutzen (Datenzugriffsschicht bzw. -module)
  • freeRPG, Java oder .NET als Backend-Programmiersprachen sollten in der Weiterentwicklung genutzt werden
  • Webtechnologien zur Entwicklung der User-Interfaces bringen schnelle Effekte im Kontakt zum Endanwender – erfordern aber auch das notwendige Web-Entwicklungs-Know-how im Team.

MM: Welche Argumente sprechen für die Kombination „Fitmachen“ der Applikationen und Bereitstellen in einer „IBM i-basierten Cloud“?

MK: Eine „fitgemachte“ Anwendung ist kostengünstiger, weil standardisierter von einem Cloud-Anbieter zu übernehmen.

MM: Wie können Dienstleister beim „Fitmachen“ der Altanwendungen helfen?

MK: Wir führen Software-Assessments durch, um zu bewerten, wo die Altanwendung heute steht (Trendcheck), und um belastbare Aussagen zu Kosten sowie Laufzeit der Modernisierung zu treffen. Unsere Software-Architekten unterstützen gerne bei der Modernisierung und führen Schulungsmaßnahmen durch, um Kundenteams auf den aktuellen Stand zu bringen. Des Weiteren steuern wir Entwicklerkapazitäten bei, um den Anforderungsstau abzuarbeiten, und stellen Werkzeuge zur Automatisierung einzelner Modernisierungsmaßnahmen bereit (z. B. Konverter nach freeRPG, Zugriffsschichten-Generator für die Datenbank etc.).

Matthias Kohlhardt,
Geschäftsbereichsleiter Software-­Lösungen der PROFI AG