SAP HANA – Chancen und Risiken

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SAP HANA – Chancen und Risiken

Vorteile, Nachteile und Alternativen im Überblick

Mit HANA hat das Walldorfer Unternehmen eine Technologie geschaffen, über die die ganze IT-Welt spricht. Dieser Artikel erklärt das Konzept, erläutert die mit HANA verbunden Stärken und Nachteile und zeigt Alternativen im Bereich der reinen Datenhaltung auf.

Bis vor ein paar Jahren hatten SAP-Kunden die Wahl zwischen verschiedenen Datenbanken, um die Daten ihrer SAP-Lösung zu verwalten. Dadurch, dass keine besonderen Funktionen der jeweiligen Datenplattform ausgenutzt werden, ist dies eine Frage der vorhandenen Skills beim Kunden und vor allem der Lizenzkosten. Mit SAP HANA existiert nun eine Plattform, die auf Grund ihrer Leistungsfähigkeit neue Chancen und Möglichkeiten bietet. SAP HANA als Plattform ist ein völlig neues Paradigma, an welches das Walldorfer Unternehmen schrittweise seine Module anpasst. In dieser Ausarbeitung wird lediglich die Funktion der Datenhaltung beleuchtet, die man auch auf andere Arten leistungsfähiger gestalten kann.

Vorteile von HANA

Worin liegt der entscheidende Vorteil von HANA? Dies hängt vor allem von zwei Faktoren ab:

  1. SAP HANA ist eine In-Memory Datenbank, das bedeutet, die Verarbeitung von Daten findet im Hauptspeicher statt.
  2. Entgegen herkömmlicher Datenverarbeitung werden die Einträge nicht zeilen-, sondern spaltenweise prozessiert.

Beide Ideen existieren schon länger und sind von SAP intelligent genutzt worden, um einen echten Mehrwert zu schaffen. Dies resultiert in einer signifikant höheren Geschwindigkeit, mit der die an SAP gestellten Anfragen beantwortet werden können. Der Geschwindigkeitsvorteil wurde in zahlreichen Tests unter Beweis gestellt und hängt natürlich auch mit der Infrastruktur zusammen, die dafür eingesetzt werden muss. Die meisten großen Hersteller bieten heutzutage SAP-HANA-Infrastrukturen an. Dabei kann nicht jede Kombination von Hardware genutzt werden, stattdessen muss die Konstellation der Bausteine von SAP zertifiziert sein. Andererseits wird die Umgebung im Problemfall nicht unterstützt. Die Anbieter beraten die Unternehmen über die möglichen Kombinationen, daher ist das kein kritischer Punkt.

Für Entscheider und Führungskräfte ergeben sich durch diese Neuerungen sehr viele Vorteile: Die aktuelle Finanzsituation kann wesentlich schneller ermittelt werden. Komplexe Abfragen werden durch SAP HANA einfach schneller erledigt und damit Entscheidungsgrundlagen prompter zur Verfügung gestellt. Die damit verbundenen Geschäftschancen kann man nur erahnen. Je nach Geschäftsmodell wird die HANA-Plattform große Vorteile bringen. Schon jetzt ist der Geschwindigkeitsvorteil deutlich spürbar: Brauchte man für Reports mit mehreren Dimensionen vorher noch Wartezeiten im zweistelligen Stundenbereich, lassen sich dank SAP HANA wesentlich schnellere Zyklen realisieren.

Geschwindigkeitsvorteile im analytischen Bereich

Allerdings lassen sich die Geschwindigkeitsvorteile momentan vornehmlich im analytischen Bereich erzielen: bei Abfragen über eine Masse von Daten, um eine Übersicht zu gewinnen, Trends zu erkennen oder Ursachenforschung zu betreiben. Von einer individuellen Transaktion bzw. einem Datensatz sind dann nur einzelne Werte relevant. Diese Werte werden spaltenweise ausgelesen – alle anderen Werte desselben Datensatzes sind für die Abfrage nicht notwendig und werden in der Abfrage entsprechend auch nicht verarbeitet.

Für die herkömmliche transaktionale Arbeit der auf NetWeaver basierenden SAP-Lösungen ist der Geschwindigkeitsvorteil von SAP HANA weniger signifikant. Bedingt durch die Infrastruktur, werden Abfragen auch hier schneller ausgeführt. Da dies aber nur einen kleinen Part innerhalb von Geschäftsprozessen darstellt, wird sich die Gesamtdauer dadurch nicht merklich verbessern. Das ist auch einer der Gründe, warum SAP HANA aus Sicht der Datenverwaltung Stand heute noch nicht für jede Geschäftsanforderung die optimale Lösung ist. Gerade dann nämlich, wenn die jeweilige SAP-Lösung für die Unterstützung des Tagesgeschäftes genutzt wird, muss sehr genau geschaut werden, wie hier Verbesserungen erreicht werden können. In jedem Fall macht also eine Analyse der Anforderungen Sinn und muss mit den Gegebenheiten (bestehende Infrastruktur, vorhandene Fähigkeiten, SAP-Lösungen, andere Anwendungen) abgeglichen werden.

SAP S/4HANA Finance

Anmerkung: Mit SAP S/4HANA Finance steht heute zwar schon ein erstes SAP-Lösungsmodul mit einer für SAP HANA optimierten Tabellenstruktur bereit. Bis die komplette Business Suite angepasst ist, wird aber sicherlich noch das eine oder andere Jahr verstreichen. Aus Kundensicht ist es also nach wie vor sinnvoll, sich mit der Optimierung der bestehenden Lösung zu beschäftigen.

Es kann sehr gut möglich sein, dass die Optimierung der Durchlaufzeit von Geschäfts­prozessen auch durch Einsatz anderer Datenbanken möglich ist. Dadurch müsste an der bestehenden Infrastruktur wenig geändert werden. Stattdessen würde die Datenbank-Software erneuert oder komplett ausgetauscht werden, ohne in ein völlig neues Paradigma einzutauchen. Die bestehenden Vorgänge hinsichtlich Betrieb, Wartung, Notfallpläne können zum großen Teil erhalten bleiben. Andere Hersteller haben nämlich auf die SAP-HANA-Technologie reagiert und ihrerseits attraktive Funktionen in ihre Datenbanken eingebaut, um den Vorsprung von SAP möglichst schnell zu verkleinern.

„Mit SAP HANA existiert eine Plattform, die neue Chancen und Möglichkeiten bietet.“

Sascha Marco Köhler, Software-Architekt der PROFI AG

Kosten-Nutzen-Analyse

Um eine möglichst aussagekräftige Analyse zu erstellen, sollte also nicht nur die Software für die Datenverwaltung betrachtet werden. Auch die Infrastruktur selbst macht eine Menge aus. Nicht umsonst darf SAP HANA nur mit bestimmten Kombinationen aus Infrastrukturbausteinen betrieben werden. Reine Leistungsverbesserungen können auch mit neuen Technologien in den Bereichen Storage erreicht werden. Es lohnt sich also, eine Untersuchung anzustellen, die auch diesen Bereich unvoreingenommen betrachtet. Wie bei allen anderen Technologieentscheidungen ist eine Kosten-Nutzen-Analyse unabdingbar, um den individuellen Anforderungen und Gegebenheiten gerecht zu werden.

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Migration von einer herkömmlichen Datenbank hin zu SAP HANA keine unerheblichen Konsequenzen nach sich zieht. Wurde dieser Weg einmal beschritten, dann kann der Kunde die Vorzüge des neuen Systems genießen. Eine Rückkehr von SAP HANA ist dann nicht mehr vorgesehen!

Fazit

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass SAP HANA für bestimmte Anforderungen sehr große Vorteile bringt, besonders wenn es um Analysen und Reports geht. Allerdings geht dies auch mit einem beträchtlichen Migrationsprojektaufwand auf Seiten der Kunden einher. Ob die Vorteile und Möglichkeiten diese Investition rechtfertigen, sollte man sich durch eine neutrale Analyse ausarbeiten lassen.

Bezieht diese Untersuchung auch wirklich alle Faktoren mit ein, können je nach Unternehmen völlig unterschiedliche Empfehlungen dabei herauskommen. Dies ist keine wirkliche Überraschung, da es viele SAP-Lösungen gibt, die sich auf vielen unterschiedlichen Infrastrukturen mit diversen Datenbanken realisieren lassen. Bedingt durch diese Komplexität, kann es sich lohnen, an der einen oder anderen Komponente zu drehen, um optimale Verbesserungen zu erreichen.

Sascha Marco Köhler,
Software-Architekt der PROFI AG